Wie alles begann
Quelle: eigenes Foto

Wie alles begann

Wir haben 2016 den Entschluss gefasst, unser bisheriges Leben zu ändern und auf ein Hausboot (eine alte Tjalk) zu ziehen. Wie alles begann kannst Du hier lesen.

Am Anfang…

… stand der Wunsch, unser Leben zu entschleunigen und wieder bewusst wahrzunehmen.

Vielleicht kennst Du es auch – immer der gleiche Trott… man lebt quasi nur noch von Wochenende zu Wochenende.

Irgendwann sind selbst die Wochenenden zu knapp, um wieder aufzutanken.

Mit Mitte/Ende Dreißig schaut wohl so mancher auf sein bisheriges Leben zurück – einige nennen es Midlife-Crisis – ich nenne es:

Resümee – Überprüfung der eigenen Normen, Werte und Zielsetzungen,

sowie die Beschäftigung mit den Fragen
„wo sehe ich mich in 5, 10, 15 Jahren?“ und „gefällt mir, was ich da sehe?“

Bei uns war es ein klares NEIN.

Das wollten wir ändern

Wir hatten beide das Bedürfnis, aus dem gesellschaftlichen Alltagswahnsinn (Stress, Hektik, Termindruck etc.) auszubrechen.

Vielleicht denkst Du jetzt: „Och, wieder so ein Aussteiger-Pärchen!“

Jein, wir haben uns von diversen Geschichten und Lebensmodellen anderer inspirieren und motivieren lassen, haben uns dann aber für die „light“-Version entschieden.
Komplett alles hinzuschmeißen (Job, Wohnung, soziales Umfeld etc.) finde ich sehr mutig (und ich lese mit Begeisterung entsprechende Blogs), wir hätten uns damit aber nicht wohlgefühlt.

Wofür steht nun also „Tietloos“?

Wir haben uns entschleunigt – wir spüren unser Leben wieder bewusst – wir freuen uns an einfachen Dingen, die von vielen Mitmenschen schon nicht mehr wahrgenommen werden – wir genießen Zeit zusammen – wir betrachten die Schönheit der Natur – wir gehen wieder achtsam durchs Leben – wir leben Genügsamkeit …

Tietloos bedeutet zeitlos (Hamburger Plattdeutsch) und steht für Ruhe und Besonnenheit in dieser hektischen Welt. Wir fokussieren uns auf das Wesentliche im Leben und genießen es, anders zu leben und zu denken, als die meisten unserer Mitmenschen.
Es ist die innere Einstellung, die sich bei uns seit unserem Lebenswandel um sozusagen 180° gewandelt hat.

Ein spannender Prozess, der uns noch heute überrascht und uns umso häufiger über uns selbst schmunzeln lässt – nach dem Motto: „früher hätten wir das nicht gemacht“ / „früher hätten wir noch so und so reagiert“

Der Entschluss, unser Leben zu entschleunigen, stand nun also fest.

Die entscheidende Frage war nach wie vor

„Wie viel brauch ich wirklich?“

Schnell sind wir auf das Thema Minimalismus gestoßen – jaja, wieder so eine Modeerscheinung.

Für uns war das der Startschuss, unseren Alltag zu überdenken.

Ein Schlüsselmoment ist für mich der, als wir mehr Platz in der Küche brauchten. Wir schauten uns also nach passenden Küchenschränken um, nach zusätzlichen Regalen… Aber so richtig passend war das alles nicht.

Ich habe dann einfach mal unsere komplette Küche ausgeräumt und auf dem Wohnzimmertisch und drum herum verteilt. Was für ein Anblick!
(leider habe ich damals kein Foto gemacht)

Da kamen Sachen zum Vorschein, von denen wir nicht mal mehr wussten, dass wir sie haben.

Nun wollten wir es beide wissen und haben zum Testen alles, was wir nicht oder sehr selten brauchen, in Kartons im Arbeitszimmer verstaut.

Das waren Unmengen an Gläsern, Becher, Besteck und Geschirr.

Wir sind nur zu zweit, also haben wir für jeden 2 Gläser, 2 Becher, 2 Messer, 2 Gabeln, 2 Löffel… 2 tiefe Teller, 2 große Teller … in die Küche eingeräumt.

Vielleicht ahnst Du es schon – unsere Schränke waren plötzlich leer! Platz ohne Ende.

Die ganzen Küchengeräte wie Fritteuse, Mixer, eine alte Kaffeemaschine (als Ersatz, wenn mal mehr Besuch kommt…) sind ebenfalls in den Nebenraum gewandert.

Ich bin heute noch erstaunt darüber, wie wenig wir in den nachfolgenden Wochen aus den Kartons zurückgeholt haben.

Wie gesagt, das war der Startschuss.

Konsumverhalten ändern

Danach hat sich automatisch unser Konsumverhalten drastisch verändert.

Wir kaufen nicht mehr einfach Sachen, nur weil wir sie vielleicht mal gebrauchen können oder diese gerade im Angebot sind.

Ein gutes Beispiel ist ein Waffeleisen. Wenn wir mal eins brauchen, findet sich bestimmt jemand, der es uns leihen kann.

Was soll ich sagen, unsere „neue“ Küche motivierte uns dann dazu, uns den Rest der Wohnung vorzunehmen.

Sehr viel Potential bot natürlich auch der Kleiderschrank.

Ich will hier gar nicht jedes Detail aufzählen. Für uns war es einfach nur spannend zu sehen, wie sich unser eigenes Verhalten verändert hat. Heute kaufen wir nicht mehr, weil etwas schön ist, sondern weil wir es gebrauchen können.

Ich hätte es selbst Jahre vorher nicht gedacht.

Anders leben – anders wohnen

Die Wohnung zu entrümpeln und unser Konsumverhalten zu ändern, tat schon richtig gut.

Allerdings fehlte noch etwas.

Wir hatten beide keine Lust mehr, Miete zu zahlen und somit die Altersvorsorge unseres Vermieters zu sichern.

Eine Eigentumswohnung wollten wir nicht, da die Abhängigkeit von den Miteigentümern nichts für uns gewesen wäre.

Wir haben eine Zeit lang mit der Idee gespielt, ein Haus zu kaufen, doch auch damit wären wir nicht glücklich geworden. Zum einen stehen für uns die Preise nicht mehr ansatzweise im Verhältnis zum Nutzen, zum anderen hat man zwar ein Haus, aber es fallen immer Reparaturen an, der Garten muss gepflegt werden… also wieder Kosten, Arbeit, weniger Freizeit … dazu finanzielle Abhängigkeit und fehlende Flexibilität… und…

Was sollen wir mit dem ganzen Platz?

Unseren Traum verwirklichen

Eine fixe Idee hatte sich seit Jahren immer wieder gemeldet – wohnen auf einem Hausbootein absoluter Traum! – Aber auch umsetzbar?

Wir fingen also an, uns intensiv zu informieren, durchforsteten unzählige Foren, Blogs und YouTube Videos.

Je mehr wir uns informierten umso detaillierter wurden unsere Fragen.

Am einfachsten war für uns dabei die Frage nach der richtigen „Behausung“, denn wir waren uns von Anfang an einig, dass wir nicht in einem schwimmendem „Klotz“ wohnen wollen, der dauerhaft am Ufer festhängt. Die Besitzer solcher Hausboote mögen mir meine Wortwahl verzeihen.

Jedenfalls war es für uns unvorstellbar, auf dem Wasser zu wohnen, aber nicht fahrtüchtig zu sein.

Somit stand für uns fest, dass wir ein normales „fahrtüchtiges“ Boot bewohnen wollten und – da wir beide keine Segler sind – es ein Motorboot sein sollte.

Unser Traum nahm also langsam Formen an. Da in Hamburg Ende 2015 das Meldegesetz so geändert wurde, dass auch ein Boot als Wohnraum zählt, war nun auch rechtlich alles gut.


Blieben also die Fragen wie
– Postempfang – ohne Briefkasten
– Paketempfang – ohne Klingel
– Wasser, Abwasser
– Strom (auch unterwegs)
– Wäsche waschen
– Internet …

Wie wir all das umgesetzt haben, kannst Du hier nachlesen -> „leben auf einem Boot“


Suchst Du auch manchmal nach einem Ausschalter in der hektischen Welt?
Lebst Du vielleicht auch schon „anders“?
Schreib uns gern. Wir freuen uns immer über Geschichten, Anregungen, Impulse…

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