Frau über Bord
Bild von ptra auf Pixabay (CC0-Lizenz)

Frau über Bord

Unsere erste Ausfahrt in diesem Jahr (2018) machten wir im April. Von Harburg aus ging es los nach Stove.

Dass ich im April in voller Montur schon „anbaden“ würde, war definitiv nicht geplant…

Es waren die ersten schönen Tage im April. Auf dem Wasser war es jedoch noch recht kühl. Aber egal, wir haben ja die richtigen Klamotten und so sind wir dick eingepackt gestartet.

Die Fahrt verlief auch ruhig und wir legten noch einen kleinen Zwischenstopp bei einem guten Bekannten und „altem Seemann“ ein. Beim Kaffee kamen wir auf die Themen Rettungsmittel und Bergung aus dem Wasser. (Dass ich kurz danach ins Wasser falle, war da definitiv nicht geplant – sorgte aber später für ein Schmunzeln.)

Nach dem Gespräch haben wir beschlossen, dass wir schnellstmöglich eine Badeleiter kaufen, falls uns so etwas mal passiert… Tja, das liebe Schicksal war mal wieder schneller…

Das Anlegemanöver

Wir hatten extra reserviert, da in dem kleinen Hafen nur wenige Plätze für Boote über 10m Länge zur Verfügung stehen.

Am Liegeplatz angekommen gab es dann eine kleine Diskussion mit dem Personal vor Ort über die Auswahl des Liegeplatzes bzw. wo wir denn unser Boot festmachen könnten.
Der uns zugewiesene Liegeplatz wird nämlich üblicherweise von einem Fahrgastschiff angelaufen und das kann aufgrund seiner Länge die Großen Poller nutzen. Für unsere Bootslänge gibt es da keine Möglichkeit – keine Poller, Ringe oder ähnliches.

Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, unsere Leinen quer über den Steg zu legen und an der gegenüberliegenden Seite (an einem Hausboot-Restaurant) zu befestigen.

Das ging aber nicht, da für diesen Abend eine private Feier geplant war… (das wären schöne Stolperfallen geworden)

Da stand ich nun also – mit der Leine auf unserem Vorschiff – und wusste nicht wohin.

Das Personal vor Ort (Servicekräfte im Hausbootrestaurant) hatte auch keine Idee.

Ich weiß gar nicht mehr, ob doch einer die Leine angenommen hat – muss wohl so sein, denn sonst wäre unser Boot nach meiner Bade-Aktion ja wieder abgetrieben…

Jedenfalls wollte ich von Bord, um mir selbst ein Bild zu machen, und um unser Boot wenigsten erstmal irgendwo festzusetzen. Marco hatte hinten wenigstens einen Poller gefunden – kam aber ebenfalls schlecht ran.

Ich wollte also übersetzen… habe aber leider nicht bedacht, dass unser Boot niedriger als der Steg war (ja, auch das gibt es) und beim Schritt hinüber habe ich bereits gemerkt: „das wird nichts!“.

Da hatte ich allerdings auch schon mein Gleichgewicht verloren und bin beim Schritt zurück ins Leere getreten.

Unfreiwilliges Anbaden

Ich weiß nur noch, wie ich ins Wasser gefallen bin, kurz unterging (trotz Schwimmweste) und nach oben getastet habe.

So schnell wie ich im Wasser war, war ich auch schon wieder draußen, denn das Service-Personal (vier Personen) stürzten gleichzeitig los und zogen mich mit vereinten Kräften wieder hoch.

Da stand ich nun – triefnass – und habe erstmal das Boot gesichert…
Schon lustig, wie man als Betroffener bei so einem Schreckmoment reagiert. Alle redeten auf mich ein, ob es mir gut ginge und dass ich doch aus den nassen Klamotten raus müsse… und ich tüddel erstmal das Boot fest.

Danach habe ich mich auch gleich umgezogen, denn mir wurde wirklich schnell kalt.

Fazit

Wir haben aus dieser Aktion jedenfalls wieder viel gelernt.

Jetzt haben wir eine Badeleiter! Denn obwohl unsere Reling sehr niedrig ist, ist es in einer solchen Situation nicht möglich, mal eben an Bord zu klettern.

Ohne meine Helfer wäre ich nicht so einfach und so schnell aus dem Wasser gekommen. Allein meine Vielzahl an Klamotten haben mich so schwer werden lassen… – ich kann wirklich jedem nur empfehlen unter gesicherten Bedingungen (Schwimm-Kurs, DLRG-Kurs etc.) einmal mit normaler Bekleidung ins Wasser zu gehen. Die Bewegungsunfähigkeit ist in natura wesentlich größer als in der Theorie.

Die weiteren Erkenntnisse aus dieser Geschichte sind für uns:

  • erst anlegen / das Schiff vertäuen, dann eventuelle Fragen klären (bzw. eine Person gezielt darum bitten, das Boot ran zu ziehen und zu halten)
  • nicht auf einen Steg treten, der höher ist als das eigene Boot, wenn dieses noch nicht fest ist (das war mein Fehler, denn hierbei habe ich unser Boot vom Steg weggeschoben – das Gleichgewicht verloren – und bin beim Schritt zurück ins Leere getreten und im Wasser gelandet)
  • wichtige Dokumente, Papiere, Handy etc. beim Anlegemanöver (bzw. bei jedem Manöver) unter Deck lassen (glücklicherweise hat alles „überlebt“)

Das ganze Manöver würden wir heute anders fahren (achtern belegen und eindampfen), aber als Anfänger gehören solche Erfahrungen auch dazu.

Jedenfalls bin ich froh, dass nicht mehr passiert ist. Auch wenn ich das Ganze mit Humor genommen habe, muss ich rückblickend doch zugeben, dass es ganz anders hätte ausgehen können.
Ein geprellter Ellenbogen, ein paar Schrammen und diverse blaue Flecken sind da wirklich Peanuts.

Danke nochmal an meine Helfer, die mehr erschrocken waren als ich.
(Später habe ich jedem noch ein kleines Dankeschön vorbeigebracht)

Meine Badesaison war somit eröffnet!

Hast Du auch ähnliche Erfahrungen / Anekdoten? Wir freuen uns auf Deine Geschichte.

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